Protokoll des Arbeitskreises
"Berufung"

(Hamburg SoSe 2001)

Anwesende: Nils, Ronny (Münster) Anette (Dresden) Manuel (Darmstadt) Florian (Braunschweig) Bianca (Freiburg)

Ziel dieses AK's war es, den Ablauf von Berufungskommissionen zu ~durchleuchten, und Unterschiede zwischen den Hochschulen herauszustellen. Als Grundlage diente der Reader von Axel Köhler. Desweiteren wurden Fragebögen diskutiert, die an den verschiedenen Universitäten schon existieren. Dazu wurden die Erfahrungen die, die Beteiligten in Ihren Kommissionen gemacht haben ausgetauscht.

Auch wurde überiegt ob es sinnvoll sei eine Liste aller am jeweiligen Institut angestellten Profs, bzw. Habilitierenden zu erstellen. Von einer Erstellung einer solchen Liste wurde allerdings abgesehen, da es praktisch nicht durchführbar ist, und eine solche wertende Liste aufgrund persönlicher Subjektivität nicht hilfreich ist.
Kernpunkt unserer Arbeit wurde die Erstellung eines Textes ("Kurzes erklärendes Schriftstück zu den Modalitäten von Berufungen und 8erufungskommissionen").
Da der Reader von A. K. sehr langatmig (angefüllt mit Sparwitzten etc.) ist und so von den meisten Fachschaften wohi nicht gelesen wird; erschien es uns sinnvoll, eine aktuelle prägnante Fassung aus diesem Text zu erstellen (der Text: "Kurzes erklärendes Schriftstück zu den Modalitäten von Berufungen und Berufungskommissionen" befindet sich in der Anlage).

Zur näheren Erläuterung warum die Erstellung eines kurzen erklärenden Schriftstückes uns sinnvoll erschien:
Für Studierende ist es natürlich wichtig im Vorfeld Infos über die KandidatInnen zu erhalten.
Der übliche Weg über die Fachschaften ist zwar in der Regel gut, doch gab es bereits Fälle in denen die Infos ein verzerrtes Bild der KandidatInnen gab.
Es gibt auch Unterschiede bei der Anzahl der Studierenden, die in der Kommission sitzen.
Z.B. haben Hessen, Niedersatchsen und BaWü den Schlüssel Anzahl der Profs -1 = Summe Wi.Mitarb. + Studierende.
In Münster sitzen in einer C3 Berufung 1 Studi, in einer C4 2 Studis. Bayreuth dagegen hat nur eine beratende Stimme.
Generell sollte es auch möglich sein, zusätzlich Studierende nur mit beratender Stimme in die Kommission zu bringen.

Ein weiters sehr wichtiges Thema ist das Fachschaftsgespräch mit den KandidatInnen. An einigen Hochschulen ist es immer noch nicht usus. Für die sei darauf hingewiesen, daß mensch auf der Homepage der Fs Münster auf Anfrage Musterfragebögen zur Orientierung erhalten kann.

Das erstellte kurze erklärende Schriftstüick ist sinnvoll, um Leute, die nicht so sehr mit Fachschaftsarbeit vetraut sind und trotzdem die Vertretung der Studierenden in einer Berufungskomission übernehmen sollen/wollen, kurz mit dem Wesentlichen vertraut zu machen.

Bianca, Uni Freiburg (in Zusammenarbeit mit Nils, Ronny und Florian)


Kurzes erklärendes Schriftstück zu den Modalitäten von BERUFUNGEN und BERUFUNGSKOMMISSIONEN

Allgemeines: Wenn einE ProfessorIn emeritiert wird, oder aus sonstigen Gründen aus dem Amt scheidet, muß zunächst die Stelle neu bewilligt werden.
Ist dieses geschehen, wird durch den Fachbereich eine Berufungskommission einberufen. Dabei werden die stud. VertreterInnen (Fachschaft) aufgerufen, Delegierte zu entsenden. Diese werden durch den Fachbereichsrat (Fakultätsrat) legitimiert. Ist dieses geschehen werden die Mitglieder der Kommission zur "ersten Sitzung" geladen:

1. Sitzung der Berufungskommission
Hier variiert die Praxis sehr, je nach Bundesland und Standort. Im günstigsten Falle (z.B. Beispiel in Münster) wird in dieser Sitzung nach Wahl des/der Vorsitzenden durch die Kommission gemeinsam ein AUSSCHREIBUNGSTEXT verfaßt. Eine andere gängige Praxis (z.B. in Freiburg) ist, daß die Ausschreibung durch den/die VorsitzendeN bestimmt wird und ihr somit keinen Einfluß auf den Inhalt habt.
Habt ihr die Möglichkeit, müßt ihr Euch über folgendes Gedanken machen:
Wird der Forschungsbereich der BewerberInnen sehr genau eingegrenzt, gibt es weniger BewerberInnen, ist die Ausschreibung allgemein gehalten, können unter den zahlreicheren Bewerbungen auch einige dabeisein, die nicht dem angedachten Profil entsprechen. Folglich braucht mensch einen entsprechenden Mittelweg, um nicht in Bewerbungen zu versinken.
Die eingegangenen Bewerbungen werden von den Kommissionsmitgliedern eingesehen und so die KandidatInnen beurteilt. Es ist von besonderem Vorteil möglichst viele Informationen aus den Bewerbungstexten herauszuziehen, da sie in den nachfolgenden Sitzungen die Diskussionsgrundlage bilden und die besten Argumente sind. Dabei sollte das Augenmerk besonders auf der vorzuweisenden Lehrerfahrung liegen, da dies ein vordringliches Studierendeninteresse ist und die Profs darauf in aller Regel nicht so sehr achten.
Es muß darauf geachtet werden, daß die geplante Vorgehensweise in der Berufungskommission während der ersten Sitzung abgesprochen werden muß, vor allem dann, wenn von dem rechtlich vorgeschriebenen Prozedere abgewichen werden soll (internes Fachschaftsgespräch mit dem/der BewerberIn etc.).

2. Sitzung der Berufungskommission
Die nächste Sitzung findet nach dem Bewerbungsschluß statt. Dort werden anhand der eingegangenen Bewerbungen in der Regel sechs bis sieben KandidatInnen ausgewählt, die eingeladen werden einen Vortrag über ihr Forschungsgebiet zu halten. Bei der Auswahl des Termines sollte darauf geachtet werden, daß möglichst viele Studierende die Möglichkeit haben, diesen Vorträgen auch beiwohnen zu können.

Vorträge
Die Vorträge sind öffentlich, es sollten auch möglichst viele Studierende anwesend sein, um so ein breites Meinungsbild von der Qualität des Vortrags zu erhalten. Am Ende des Vortrages besteht die Möglichkeit fachspezifische Fragen an den Referierenden zu richten. Im Anschluß findet ein Gespräch mit den jeweiligen BewerberInnen statt, bei denen nun wieder nur die Mitglieder der Berufungskommission anwesend sein dürfen (Quasisitzung). Eine andere Möglichkeit, die Qualifikationen der Vortragenden abzuschätzen, ist z.B. ein Extraseminar für Studierende (Probevorlesung).

Gespräch mit der Fachschaft
Dieses Gespräch gehört nicht zum eigentlichen Prozedere einer Berufung, wird aber dringend empfohlen! In ungezwungener Atmosphäre (d.h. ohne Profs) kann sich hier die Fachschaft einen persönlicheren Eindruck verschaffen, wobei natürlich die Lehrerfahrung, soziale Kompetenzen sowie die Visionen des Bewerbers einen hohen Stellenwert haben sollten. Es ist ratsam einen Fragebogen für dieses Gespräch vorzubereiten. Diese Fragebögen sollten in dem jeweiligen Berufungsverfahren gleich sein.

3. Sitzung der Berufungskommission
Nachdem alle Vorträge stattgefunden haben, tagt die Kommission zum dritten Mal. Es werden in einer ausgiebigen Diskussion (dies ist der entscheidende Schritt des Verfahrens!) aus den Vortragenden die 3-4 WunschkandidatInnen ausgewählt und durch Reihung eine vorläufige Liste erstellt.
Über diese BewerberInnen werden Gutachten eingeholt. Es werden grundsätzlich nur vergleichende Gutachten erstellt (3 Stück), wobei den GutachterInnen alle KandidatInnen persönlich bekannt sein müssen. Ihre Namen werden ihnen in alphabetischer Reihenfolge mitgeteilt, die vorläufige Reihung wird natürlich nicht mitgeteilt. Bei der GutachterInnenwahl sollte darauf geachtet werden, daß Seilschaften der ProfessorInnen der Kommission nicht die Objektivität der GutachterInnen beeinflussen.
Sollten alle drei GutachterInnen zu derselben Reihung kommen, wird es schwierig bis unmöglich für die Berufungskommission von dieser abzuweichen. Also sollte die Wahl der GutachterInnen wohlüberlegt sein. Da Studierende häufig weder die entsprechenden möglichen GutachterInnen kennen, noch über ein ausreichend fachliches Wissen verfügen, ist es hilfreich Leute zu fragen die sich damit auskennen (z.B. Doktor-, Diplom- und HabilitandInnen).

4. Sitzung der Kommission
Nachdem die Gutachten eingetroffen sind, werden diese im Bezug zu den Vorstellungen der Kommission diskutiert. Wenn eine Liste erarbeitet wurde und diese bei der Abstimmung eine Mehrheit findet, so ist die Berufungskommission zu einem Abschluß gekommen.
Die Profs haben in dieser Kommission die absolute Mehrheit. Die Studierenden müssen an einigen Unis nach Beendigung dieser abschliessenden Sitzung ihr Votum schriftlich bei dem/der Vorsitzenden einreichen. Sollte die Fraktion der Studierenden nicht mit der Liste einverstanden sein, so kann sie ein SONDERVOTUM abgeben. Dieses muß während der Abstimmung angekündigt werden. Des weiteren besteht die Möglichkeit eine ungewollte Liste durch Auffinden und Bemängeln von Formfehlern zu sabotieren.

Für weitere Informationen ist z.B. der ausführliche "Reader" von Axel Köhler einzusehen. Hier stehen aber einige veraltete Dinge drin! Des weiteren stehen die Fachschaften Münster, Dresden, Freiburg und Darmstadt für offene Fragen zu Eurer Verfügung.