Bonn, im November 1999

Anmerkungen der BuFaTa Chemie zur Einführung von Bachelor-Studiengängen

Von der Fachkommission Chemie der Hochschulrektorenkonferenz und der Kultusministerkonferenz wurde im August 1999 ein Entwurf für einen Modellstudiengang B. Sc./M. Sc. verabschiedet.
Von Seiten der Bundesfachtagung der Fachschaften Chemie bestehen erhebliche Zweifel am Sinn der Einführung von zwei praktisch deckungsgleichen Studiengängen unter den Titeln des "Reformierten Diplom-Studienganges Chemie" und des "Modellstudienganges B. Sc./M. Sc." sowie an der tatsächlichen Erreichbarkeit der angestrebten internationalen Vergleichbarkeit mit Hilfe des von der Fachkommission Chemie entworfenen Modells. Mit den einzelnen Bestimmungen des genannten Rahmenprüfungsordnungsentwurfs hat sich im November 99 auf der BuFaTa in Bonn ein Arbeitskreis befaßt und folgende Standpunkte erarbeitet, welche von der BuFaTa ohne Gegenstimmen verabschiedet wurden:

1)

Die Einführung des Bachelors muß als eigenständiger Studiengang erfolgen. Das HRG sieht in konsekutiv (6+4) aufgebauten Studiengängen ausschließlich studienbegleitende Fachprüfungen vor. Die häufig in kombinierten Diplom- und B. Sc./M. Sc.-Studienordnungen formulierten Blockprüfungen von vier Fächern nach dem vierten Semester in Anlehnung an eine bestehende Vordiplomprüfungsregelung ist somit nicht gesetzeskonform. Erst durch studienbegleitende Fachprüfungen wird den Studierenden eine individuelle Planung des Studienverlaufs gemäß der Anforderungen durch die jeweiligen Wahlfächer ermöglicht.

2)

Um der Bedeutung der Wahlpflichtfächer gerecht zu werden, muß deren zeitlicher Rahmen auf Kosten der Kernfächer (AC, OC, PC) erweitert werden. Statt den von der Studienstrukturreformkommission der GDCh vorgesehenen 13 % ist hier ein Anteil von 20-25 % zu veranschlagen, zumal der für die Wahlpflichtfächer vorgesehene Anteil an der Bachelor-Note sogar 33 % beträgt. Der Studienplan muß so gestaltet werden, daß spätestens im dritten Semester mit dem Studium der Wahlpflichtfächer begonnen werden kann.

3)

Um der Bedeutung der Chemie als Querschnittswissenschaft Rechnung zu tragen und eine fachlich qualifizierende individuelle Profilbildung zu ermöglichen, muß eines der Wahlpflichtfächer auch für chemiefremde Fächer geöffnet werden. Die Anforderungen an einen Chemiker/eine Chemikerin basieren nicht allein auf fachlichem Wissen, sondern auch auf seiner/ihrer Fähigkeit, das Fach in einen gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen. Dies ist nur durch eine interdisziplinäre Ausbildung zu erreichen.

4)

Ein international ausgerichteter Studiengang erfordert neben der fachlichen auch eine grundlegende sprachliche Kompetenz. Hierzu müssen in den Bachelor-Studiengang mindestens zwei SWS Sprachlehrveranstaltungen aufgenommen werden. Um den individuellen Werdegängen der Studierenden gerecht zu werden, sollten dazu alle am Studienort angebotenen Sprachen belegt werden können. Außerdem sollte der Fachbereich gewährleisten, daß zumindest für die englische Sprache ein Kurs angeboten wird, der speziell auf die Anforderungen eines Chemikers/einer Chemikerin ausgerichtet ist.

5)

Um die Qualifikation der Bachelor-Absolventen und -Absolventinnen zu gewährleisten, verantwortungsbewußt mit Gefahrstoffen umzugehen, sollten in alle Studienordnungen Lehrveranstaltungen in Rechtskunde, Arbeitssschutz, Umweltschutz und Toxikologie in angemessenem Umfang aufgenommen werden.

6)

Um die Einhaltung der Regelstudienzeit zu ermöglichen, darf der Gesamtstundenumfang sechssemestriger Studiengänge gemäß eines Beschlusses der BuFaTa im WiSe 94/95 in Braunschweig 150 SWS nicht übersteigen.

Bonn, November 1999BuFaTaChemie