Nichts wie weg!

- Chemiestudium im Ausland -

Reader des AK Auslands der BuFaTaChemie in Bonn


Weltweit wird an den Universitäten in der Chemie geforscht. Daher ist es gerade für ChemikerInnen naheliegend, einen Teil des Studiums im Ausland zu verbringen. Nicht nur, dass es Industrie und Professoren häufig empfehlen - ein Auslandsaufenthalt bringt auch eine Menge Spass und Lebenserfahrung. Aber wie geht man das als ChemiestudentIn an?
Das "einzig wahre" Konzept gibt es natürlich nicht, denn die Möglichkeiten sind von Uni zu Uni verschieden. Es gibt stapelweise Informationsmaterial, von dem aber nur ein kleiner Teil die Chemie betrifft.
Dieses Handout ist als Starthilfe gedacht, um euch ein paar Tips zu geben wie man sich im Informationsdschungel zurechtfindet.

Der richtige Zeitpunkt

In Frage kommt ein solcher Aufenthalt meist erst nach dem Grundstudium, wenn ihr schon einen Überblick über die Teilgebiete habt und wisst, was euch interessiert. Vor allem Praktika aus dem Hauptstudium lassen sich gut mit einem Auslandsaufenthalt verbinden.
Man kann auch einen ganzen Studienabschnitt - Hauptstudium (mit ausländischem Abschluss), Diplomarbeit, Promotion (oder Teile davon), Post-Doc - im Ausland verbringen.
Die nachfolgenden Tipps beziehen sich in erster Linie auf Praktika im Hauptstudium.

Wie lange?

Die Dauer des Aufenthaltes hängt ganz von euren Absichten ab. Von zwei Wochen (Sprachkurs, Schnupperpraktikum) bis zu 5 Jahren (Hauptstudium + Promotion) ist alles möglich.
An einigen Unis kann man ein etwa dreimonatiges Praktikum des Hauptstudiums im Ausland absolvieren, ohne den regulären Studienablauf zu unterbrechen.
Wer jedoch Wert darauf legt, mehr Erfahrungen zu sammeln und Land und Leute kennenzulernen, sollte längere Zeiten einplanen, um neben dem Studium auch noch entsprechende Freiräume zu haben. Bei solchen Aufenthalten werden nicht immer alle im Ausland erbrachten Leistungen anerkannt.
Wer mindestens ein Semester im Ausland bleibt, sollte ein Urlaubssemester beantragen. Damit werden eure Fachsemester erst bei der Rückkehr weitergezählt; ihr zahlt in der Regel einen geringeren Semesterbeitrag und könnt eure Förderungshöchstdauer um maximal ein Semester verlängern. Offiziell seid ihr dann noch Student an eurer Heimatuni, könnt "daheim" aber keine Prüfungen ablegen. Infos und Formulare gibt es beim Studentensekretariat.

Wege ins Ausland:

  1. offizielle Programme der Universität
  2. Konzept: fest organisierte Programme, die aus Kooperationen zwischen zwei Unis entstehen. Anerkennung, Zeitpunkt, zu besuchende Veranstaltungen etc. sind dabei meist schon festgelegt. Es spart euch also eine Menge Organisationsarbeit. Infos gibt es bei eurer Studienberatung, im Sekretariat eures Instituts beim akademischen Auslandsamt oder bei der Fachschaft.
    Finanzierung: häufig entfallen die Studiengebühren; interne Förderungsmöglichkeiten; ansonsten: siehe 3)
    Planungsbeginn: nach uni-internem Anmeldeschluss erkundigen!!!

  3. ERASMUS-Partnerschaften
  4. Konzept: ERASMUS: (European Community Action Scheme for the Mobility of University Students)
    Kooperation eines deutschen Fachbereichs mit einem anderen Fachbereich im europäischen Ausland , wobei die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen vertraglich geregelt wird.
    Vorraussetzung ist die Kenntnis der Landessprache.
    Nähere Informationen gibt es bei dem für Erasmus zuständigen Dozenten.
    Finanzierung: Studiengebühren entfallen, Förderung in Höhe von monatlich ca. 250,-DM, ggf. Reisekostenerstattung oder andere Zuschüsse auch Auslands-BAföG möglich.
    Planungsbeginn: in der Regel 1 Jahr vorher, kann aber auch kurzfristiger organisiert werden.

  5. Interne Kontakte
  6. Konzept: Professoren vermitteln Studierende ihres Fachbereichs an befreundete Arbeitskreise im Ausland. Als unbezahlter Mitarbeiter dieses Arbeitskreises müsst ihr in der Regel keine Studiengebühren bezahlen, könnt euch aber durchaus Vorlesungen anhören, wenn es der Zeitplan zulässt. Eventuell fallen aber Labor- oder Versicherungskosten an. Die meisten Professoren haben solche Kontakte und sind auch bereit sie weiterzuvermitteln, wenn sie danach gefragt werden (=> Eigeninitiative!!!).
    Finanzierung:
    • Auslands-BAföG: (i.a. höher als normales BAföG; auch möglich, wenn man sonst kein BAföG bekommt; frühzeitig beantragen)
    • Individuelle Stipendien, Stipendien von Stiftungen: Infos beim AstA oder bei der Studienberatung
    • DAAD: Stipendien nur für ein Jahr (in der Regel nicht in die USA); Erfordert Sprachnachweise, Gutachten von 2 Professoren und einen begründeten Studienplan spätestens 1 Jahr vor Antritt des Aufenthaltes.
    • Fulbright: Stipendien für 1 Jahr (nur USA); Erfordert TOEFL-Test, Gutachten und begründeten Studienplan spätestens anderthalb Jahre vor Antritt des Aufenthalts.
    • Unistipendien: An einigen Universitäten gibt es Stipendien aus eigenen Mitteln für Auslandsstudien.
    • Finanzierung über den ausländischen AK: Es besteht in einigen AKs die Möglichkeit, als "teaching-assistent" eingestellt und bezahlt zu werden.
    Planungsbeginn: ein halbes Jahr vorher, bzw. 1 Jahr vorher, wenn ein DAAD-Stipendium beantragt werden soll; über 1,5 Jahre vorher bei Fulbright-Stipendien

  7. Auf eigene Faust
  8. Konzept: 1) Ihr verwirklicht eure eigenen Auslandspläne, indem ihr z.B. über das Internet oder persönliche Beziehungen einen ausländischen Arbeitskreis kontaktiert und einen Auslandsplan erarbeitet, den ihr mit euren Professoren absprecht, um die Anerkennung zu sichern.
    2) Ihr schreibt euch an einer ausländischen Universität ein und nehmt das dortige Angebot wahr. Für die Anerkennung gilt das gleiche wie oben. Zu beachten ist allerdings, dass die Studienpläne nicht immer kompatibel sind. Als eingeschriebeneR StudentIn an einer ausländischen Universität müsst ihr auch Studiengebühren zahlen.
    Finanzierung: siehe 3)
    Planungsbeginn: nach eigenem Ermessen (am besten über 1 Jahr vorher); Erkundigt euch nach den Einschreibefristen der ausländischen Unis!

  9. Industriepraktika im Ausland
  10. Konzept:Praktika in ausländischen Firmen werden oft nicht als Studienleistung anerkannt aber von der Industrie gern gesehen. Fragt auf jeden Fall bei euren Professoren nach, ob nicht wenigstens eine teilweise Anerkennung möglich ist. Auf Wunsch vieler Firmen sollten solche Praktika mindestens 2-3 Monate dauern. Solche Praktika vermitteln auch einen guten Eindruck in die Berufspraxis. Informationen gibt es häufig beim Arbeitsamt.
    Finanzierung:
    • IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience): Förderung und Vermittlung von Praktika im Ausland für maximal 3 Monate in den Sommersemesterferien
    • Firmeninterne Förderungsmaßnahmen
    • Bezahlung der Stelle
    Planungsbeginn: ein Jahr vorher bei großen Firmen, bei kleineren auch später

Noch ein paar Tips:

  • Lasst euch auf jeden Fall vorher eine schriftliche Zusage geben, dass die Leistungen von der Uni anerkannt werden! Oft führt auch eine mehrfache Nachfrage zum Erfolg!!
  • Nehmt die Angebote der Studienberatung wahr! (Beratung über interne Programme, Studienverlauf, Kontakte zu StudentInnen, die schon einmal im Ausland waren, etc.)

weitere Informationen:

Es ist sinnvoll die Links eurer Uni-Homepage zu nutzen, um auf die Seiten der Erasmus-Programme oder des Akademischen Auslandsamtes zu gelangen.

Herausgeber ist der Arbeitskreis Ausland der BuFaTaChemie WiSe 1999/00 in Bonn.