Protokoll des Arbeitskreises

“ECTS”

auf der BuFaTa im WS 98/99 in Berlin vom 19. bis 22.11.1998


Teilnehmer: Tobias Bister (Marburg); Stefan Weber (Freiburg); Michael Nedelcu (Freiburg); Sonja Staack, Tobias Berking, Markus Ratzke (Hamburg); Jutta Rogal (FU Berlin); Lars Abraham (Dresden); Annett Pollex (Dresden); Katja (Bonn); Frank Fürst (Potsdam). Protokoll: Frank Fürst

Der Arbeitskreis erarbeitete die Grundlagen des European Credit Transfer Systems (ECTS) und setzte sich mit folgenden Papieren auseinander:

Nach einer kontroversen Diskussion wurden einige konsensfähige Thesen formuliert. Anschließend erarbeiteten Kleingruppen eine Formulierung der Begründung für jeweils eine dieser Thesen. Wir gingen davon aus, dass diese Begründungen nach der vorangegangenen Diskussion ebenfalls konsensfähig sein sollten. Allerdings stellte sich nach dem Eindruck des Protokollführers später - das heißt bei der Diskussion der Thesen (ohne Begründungen) im Plenum sowie bei informellen Gesprächen über einzelne Begründungsbeiträge - heraus, dass dies keineswegs so war und verschiedene Teilnehmer durchaus verschiedenes unter der selben These verstanden.

Daher wird noch einige Diskussion nötig sein, die hoffentlich zum großen Teil im Winter und Frühling '99 im Internet geführt werden wird. Im folgenden füge ich die Rohfassung des erarbeiteten Textes bei. Die breiten Zeilen in Times-Schrift sind die bereits diskutierten Thesen, die eingerückten Zeilen in Arial sind die Begründungen, so wie sie von den Kleingruppen formuliert wurden:

Die BuFaTa begrüßt die Einführung von Kreditpunkten nach dem ECTS. Dieses soll der Erleichterung des zeitweiligen oder endgültigen Wechsels zwischen deutschen und europäischen Hochschulen und der gegenseitigen Anerkennung der erbrachten Studienleistungen dienen. Diese Punkte sollen aber Zweitwährung bleiben und nicht die Abschlussprüfung ersetzen oder in ihre Benotung eingehen; die Teilnahme am ECTS ist für die einzelnen Studierenden freiwillig. Alle Lehrveranstaltungen, deren Inhalte Gegenstand der Abschlussprüfung sind, sollten in die Punkteberechnung eingehen.

Das ECTS soll der Erleichterung des zeitweiligen oder endgültigen Wechsels zwischen europäischen Hochschulen dienen. Dies setzt die allgemein verbindliche Anerkennung der erbrachten Studienleistungen voraus. Für eine solche Studienleistung erhalten die Studierenden neben den Scheinen auch Punkte im Rahmen des ECTS. Diese Punkte sollen jedoch erst durch einen Hochschulwechsel relevant werden. Des weiteren soll das ECTS die Transparenz und Vergleichbarkeit der Studienleistungen erhöhen. Da die Studierenden nun die Veranstaltungen zweier Universitäten besser koordinieren können, vereinfacht das ECTS den Auslandsaufenthalt mit eventuellem Rückwechsel erheblich. Die so im Ausland erbrachte Studienleistung wird, durch das ECTS gewichtet, zur Zulassung zum Diplom anerkannt. Die Diplomprüfung an sich soll nicht durch (akkumulierte) Punkte ersetzt werden. Durch eine unabhängige Diplomprüfung wird der Standard nicht angetastet.

Kreditpunkte von verschiedenen Universitäten sind gleichwertig, sobald sie aus demselben Fachgebiet (AC/OC/PC/...), Studienabschnitt und Arbeitsbereich (Praktikum/theoretische Lehrveranstaltungen) stammen.

Die eingangs formulierte Zielsetzung des ECTS kann nur erreicht werden, wenn nach erfolgtem Hochschulwechsel keine Neubewertung der erbrachten und bereits nach dem ECTS eingestuften Studienleistungen erfolgt. Nur unter dieser Voraussetzung kann die angestrebte Planungssicherheit beim Studienortwechsel erreicht werden.

Kreditpunkte dürfen sich nicht auf Präsenzzeiten, sondern auf die gesamte Arbeitszeit beziehen; die an einigen Unis gängige Praxis der pauschalen Geringerbewertung von Praktika lehnen wir ab.

Da sowohl erhebliche Differenzen der nötigen Vor- und Nachbereitung für die verschiedenen Praktika im Verlauf des Studiums als auch für entsprechende Praktika an verschiedenen Universitäten bestehen, läßt sich die Berechnung der Gesamtarbeitszeit für Praktika nicht über eine Pauschale Verrechnung der Präsenzzeit ermitteln. Wir empfehlen daher, die Gesamtarbeitszeit für jedes Praktikum einzeln zu ermitteln.

Die Einführung einer Anwesenheitspflicht zur Vergabe von ECTS-Punkten lehnen wir grundsätzlich ab. Sie sollte dagegen von geeigneten Leistungsnachweisen abhängig gemacht werden, wobei der Umfang der Prüfung mit der Anzahl der ECTS-Punkte im Zusammenhang stehen muß. In Leistungsnachweise sollen insbesondere auch Vorträge, Seminaraufgaben u.ä. einfließen.

Ziel des Studiums - insbesondere des Auslandsstudiums - ist der Erwerb von Wissen und Fertigkeiten. Diese werden jedoch nicht durch Anwesenheit erworben sondern durch intensive Beschäftigung mit dem Stoff. Sinnvolle Möglichkeiten, die Auseinandersetzung mit den Lerninhalten zu gewährleisten und zu überprüfen, sind mündliche wie schriftliche Prüfungen, Projektarbeiten, Übungen, Vorträge u.ä. Die Credits, die dem Zeitaufwand zum Besuch und zur Vor- und Nachbereitung einer Veranstaltung entsprechen, sollten bei der Länge der Prüfung berücksichtigt werden. Erbrachte Vorleistungen könne als Vornote mit in den Leistungsnachweis eingehen.

Gegen die Einführung der Anwesenheitspflicht zur Vergabe von Credits sprechen außerdem folgende Punkte: